Flüchtlinge an der UZH

Flüchtlinge können Uni-Luft schnuppern

Flüchtlinge sollen ohne grosse Hürden studieren können, wenn sie die notwendigen Voraussetzungen mitbringen. Dies forderte der Verband der Schweizer Studierendenschaften VSS heute an einer Medienkonferenz in Zürich. Rektor Michael Hengartner stellte dabei das neue Schnuppersemester für Flüchtlinge vor.

Beat Müller

Im Frühjahrssemester 2017 können Flüchtlinge ein Schnuppersemester an der UZH absolvieren.
Im Frühjahrssemester 2017 können Flüchtlinge ein Schnuppersemester an der UZH absolvieren. (Bild: UZH)

Flüchtlinge, die an einer Schweizer Universität studieren möchten, haben mehrere Hindernisse zu überwinden: so zum Beispiel die Sprache, fehlende Dokumente oder die Maturäquivalenzprüfung, mit der sie ihre Studierfähigkeit beweisen müssen und deren Vorbereitungskurs für Flüchtlinge nicht finanzierbar ist. Der VSS hat nun mit einem Positionspapier und Forderungen an die Politik und Hochschulen reagiert.

Rektor Michael Hengartner zeigte sich erfreut über das Engagement der Studierenden für eine bessere Integration der Flüchtlinge. «Dass sich Studierende auch heute für Werte und Ideale einsetzen, ist sehr ermutigend und zeigt, dass sie keineswegs nur opportunistische 'Punktesammlerinnen und Punktesammler' sind», so Hengartner.

Anlaufstelle für Flüchtlinge

Nebst den Studierenden planen mehrere Universitäten Angebote für Flüchtlinge oder bieten diese schon an. Die UZH selbst hat verschiedenen Massnahmen ergriffen. Da es für studieninteressierte Flüchtlinge oftmals schwierig ist, Informationen über die Zulassungsbedingungen zu finden, hat die UZH im August 2016 eine Anlaufstelle für Flüchtlinge eröffnet. Diese berät die Flüchtlinge und ihre Betreuungspersonen zu ihren Möglichkeiten an der UZH.

Schnuppern und Sprache lernen

Im Frühjahrssemester 2017 bietet die UZH zusammen mit dem VSUZH und der Amnesty International Hochschulgruppe Zürich erstmals ein Schnuppersemester für Flüchtlinge an. 20 Studierende können als Gasthörer Vorlesungen ihres gewünschten Studienprogramms besuchen und sich so mit den Inhalten eines Studiums an der UZH vertraut zu machen. «Gute Sprachkenntnisse sind essenziell für ein erfolgreiches Studium», erklärt Rektor Hengartner. Darum können Teilnehmende des Schnuppersemesters auch das Selbstlernzentrum des Sprachenzentrums nutzen, um so ihre Sprachkenntnisse zu verbessern.

Hälfte der Interessierten hat Studienabschluss

Das Schnuppersemester an der UZH stösst auf grosses Interesse. Für die 20 Plätze sind 79 Bewerbungen eingegangen. Fast die Hälfte der Kandidatinnen und Kandidaten besitzt bereits einen Studienabschluss, 33 besitzen einen Bachelor und vier einen 4 Master. Die übrigen haben in ihrer Heimat ein Studium begonnen (28) oder die Matura absolviert (14). In Gesprächen wird nun eruiert, wer sich für die zwanzig Plätze am besten eignet. Gleichzeitig rekrutiert der Verband der Studierenden VSUZH Mentorinnen und Mentoren. Auch bei den Studierenden ist das Interesse sehr gross, sich für Flüchtlinge zu engagieren.

Flüchtlinge und Studierende zusammenbringen

Das Engagement der Studierenden geht aber noch weiter. So haben sie den Verein «Students Across Borders» gegründet, der sich für einen Austausch zwischen Studierenden und Flüchtlingen einsetzt. Er wird ab Frühjahrssemester 2017 soziale Anlässe für Flüchtlinge und Studierenden organisieren. Zudem sollen studentische Deutschlehrerinnen- und Deutschlehrer an Flüchtlinge vermittelt werden.

Öffentliche Veranstaltungen

Geplant sind ab Frühjahrssemester 2017 Veranstaltungen zum Thema Flucht und Zwangsmigration für Studierende, Mitarbeitende und für eine interessierte Öffentlichkeit. Angedacht sind Vortragsreihen, bei denen Forschungsprojekte der UZH zum Thema präsentiert werden sowie Vorträge von Flüchtlingen mit akademischem Hintergrund, die von der Situation für Studierende und Forschende in ihren Heimatländern und ihrer Flucht berichten. So können hiesige Studierende etwas über die Situation in den Heimatländern und über den Fluchthintergrund lernen. Zu einem späteren Zeitpunkt sind auch grössere Veranstaltungen wie ein Forschungssymposium denkbar.

Beat Müller, Leiter Media Relations

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