Ig-Nobelpreis

Hohe Auszeichnung für kuriose Forschung

Didgeridoo spielen hilft gegen Schnarchen. Das haben Forscher um den UZH-Professor Milo Puhan vor einigen Jahren herausgefunden. Nun werden sie mit dem prestigeträchtigen Ig-Nobelpreis ausgezeichnet.

Magdalena Seebauer

Mann am Didgeridoo spielen
Mann am Didgeridoo spielen
Macht nicht nur Spass, sondern hilft auch gegen Schnarchen: Didgeridoo spielen (Bild: ©iStock_Kerry)

Was hat Didgeridoo spielen mit dem Schlafapnoe-Syndrom und Schnarchen gemeinsam? Auf den ersten Blick wenig. Doch wer regelmässig das traditionelle Blasinstrument der australischen Ureinwohner spielt, der trainiert damit genau jene Muskeln und Strukturen, die die oberen Atemwege offen halten – und reduziert so sein nächtliches Schnarchen und den Schweregrad des Schlafapnoe-Syndroms. Das hat ein Forscherteam um Milo Puhan, Professor für Epidemiologie und Public Health an der Universität Zürich, herausgefunden.

Die Publikation dieser Resultate im renommierten «British Medical Journal» im Jahr 2006 wurde viel beachtet. Nun werden die Forscher dafür mit dem Ig-Nobelpreis geehrt. Dieser Preis zeichnet skurrile und kuriose Studien aus, die «die Menschen zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen», so die Initianten dieses bereits seit 1991 jährlich vergebenen Preises. «Ig-Nobel» ist ein Wortspiel mit dem englischen «ignoble», was so viel wie unwürdig, schmachvoll oder schändlich bedeutet. Der Ig-Nobelpreis ist eine satirische Auszeichnung – die jedoch unter Forschern nicht weniger begehrt ist als konventionelle Preise.

Kultstatus erreicht

Auch Milo Puhan freut sich sehr darüber: «Das Schöne an dem Preis ist, dass er Forschung honoriert, welche sich durch Neugier und Risiko auszeichnet. Und er hat eine hohe Sichtbarkeit.» So wird die Preisübergabe regelmässig als klamaukig-schrille Gala im Festsaal der amerikanischen Elite-Universität Harvard inszeniert. Längst hat sie Kultstatus erreicht und ist fast immer ausverkauft. Die Forscher haben dort 60 Sekunden Zeit, um ihre Studie vorzustellen: «Einer meiner Kollegen, Alex Suarez, wird währenddessen auf der Bühne Didgeridoo spielen», sagt Puhan.

Portrait von Milo Puhan.
Milo Puhan freut sich über den Ig-Nobel-Preis: «Er honoriert Forschung, die sich durch Neugier und Risiko auszeichnet.» (Bild: Frank Brüderli)

Vielversprechender Behandlungsansatz

Dass diese Studie nicht nur in Fachkreisen Anerkennung findet, sondern auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, ist Puhan wichtig. Denn es sei ein völlig neuer und vielversprechender Behandlungsansatz. Das Didgeridoo-Spielen kräftigt aufgrund der speziellen Atemtechnik genau jene Muskeln und Strukturen, die die oberen Atemwege offen halten, erklären sich die Forscher den Effekt. Damit wird das Kollabieren der Atemwege verhindert. So traten bei den Studienteilnehmern tatsächlich seltener Atemaussetzer während des Schlafes auf. Tagsüber waren sie weniger müde. Und: Ihre Partnerinnen und Partner fühlten sich deutlich weniger in ihrem Schlaf gestört.

Attraktive Alternative

«Ausserdem spricht es viele Leute an, aktiv etwas gegen ihr Leiden tun zu können», sagt Puhan. Meist wird beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom die nächtliche Überdruckatmung angewendet. Doch manche Patienten finden es belastend, nachts eine Nasenmaske tragen zu müssen. Mit dem Didgeridoo-Spielen steht ihnen eine attraktive Alternative offen. Denn es ist einfach zu erlernen, und viele Menschen empfinden die Töne als entspannend und wohltuend.

Immer mehr Ärzte würden ihre Patienten auf diese Behandlungsoption hinweisen, sagt Puhan. Neben einer sorgfältigen Einführung in die spezielle Atemtechnik empfehlen die Forscher ein medizinisches Didgeridoo. Anders als die konventionellen Didgeridoos aus Holz mit einer Länge von bis zu 2.5 Metern besteht es aus Plexiglas und ist nur 130 Zentimeter lang. Damit würde es jedem gelingen, von Anfang an einen Ton hervorzubringen, sagt Puhan.

Magdalena Seebauer ist freie Wissenschaftsjournalistin.

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