Informatik

Eine Blockchain für Medikamente

Das Start-up modum.io hat in enger Zusammenarbeit mit UZH-Informatikern eine neue Technologie entwickelt, um die Temperatur von Medikamenten zu überwachen. Beim Förderprogramm «Kickstart Accelerator» hat das Jungunternehmen damit vergangene Woche einen ersten Preis gewonnen.

Adrian Ritter

modum.io
Erster Preis beim «Kickstart Accelerator»: Auszeichnung auch für drei Studierende der UZH. Im Bild halten Andreas Knecht, Sascha Uhlmann und Tim Strasser gemeinsam mit modum.io-Mitgründer Malik El Bay die Urkunde (Bild: Philippe Rossier)

Wenn ein Pharmaunternehmen seine Medikamente an eine Apotheke oder einen Arzt versendet, müssen auch die Transportbedingungen stimmen. Die entsprechenden Regulierungen der EU wie der Schweiz sind streng – so darf etwa die Temperatur beim Transport nicht zu hoch oder zu tief sein.

Das 2016 gegründete Start-up modum.io hat eine technische Lösung entwickelt, um die Temperatur der transportierten Medikamente verlässlich zu überwachen. Das Jungunternehmen hat dazu mit der Communications System Group (CSG) am Institut für Informatik der UZH zusammengearbeitet. Professor Burkhard Stiller und Oberassistent Thomas Bocek unterstützten das Projekt ebenso wie drei Studierende im Rahmen ihrer Bachelor- und Masterarbeiten.

Die daraus entstandene Lösung: Ein Sensor wird ins Paket mit den Medikamenten gelegt und zeichnet die Temperatur während des Transports laufend auf. Bei der Ankunft beim Empfänger werden die Daten ausgelesen und an eine Blockchain geschickt – eine spezielle Art der Datenspeicherung, wie sie bisher fast ausschliesslich für Finanztransaktionen verwendet wird. Die Temperaturdaten werden mit den Regulierungsvorgaben verglichen und das Resultat an den Sender wie den Empfänger der Lieferung übermittelt.

Ein grosser Vorteil der neuen Technologie: Die Daten sind immer gespeichert und können nicht nachträglich manipuliert werden – Stichwort «Datenintegrität». Marc Degen, Mitgründer von modum.io, schätzt, dass mit der neuen Technologie bis zu einem Drittel der Kosten für den Versand von Medikamenten eingespart werden könnten. Der Einsatz von Kühlwagen erlaubt die vorgeschriebene Überwachung der Temperatur beim Transport. Dabei werden allerdings auch Medikamente gekühlt, bei denen dies nicht zwingend ist. «Solche Medikamente könnten in Zukunft per Postpaket inklusive Sensor verschickt werden – wesentlich kostengünstiger und einfacher als bestehende Konkurrenzprodukte», sagt Degen.

modum.io
Der neu entwickelte Sensor misst die Temperatur beim Transport von Medikamenten. (Bild: zVg)

2017 auf den Markt

Mit der neuen Technologie ist modum.io eines der ersten Jungunternehmen, das die Blockchain-Technologie nicht für Anwendungen im Finanzbereich nutzt. Einen grossen Schritt in Richtung Marktreife hat modum.io durch die Teilnahme am 11-wöchigen Schweizer Förderprogramm «Kickstart Accelerator» gemacht. Rund 850 Start-ups aus aller Welt hatten sich um eine Teilnahme beworben, modum.io war als eines von 30 Jungunternehmen ausgewählt worden.

Am vergangenen Samstag wurde die Entwicklung an der Schlussveranstaltung von Kickstart Accelerator mit dem ersten Preis in der Kategorie «Future & Emerging Technologies» ausgezeichnet. Noch in diesem Jahr will das Jungunternehmen ein Patent einreichen.  Für Anfang 2017 ist eine Investorenrunde geplant, um das Produkt im kommenden Jahr auf den Markt bringen zu können. Gleichzeitig planen modum.io und die Forschungsgruppe um Professor Burkhard Stiller bereits weitere gemeinsame Projekte.

Adrian Ritter ist Redaktor von UZH News.

Kommentar schreiben

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Unberücksichtigt bleiben insbesondere anonyme, ehrverletzende, rassistische, sexistische, unsachliche oder themenfremde Kommentare sowie Beiträge mit Werbeinhalten.

Anzahl verbleibender Zeichen: 1000