UZH Digital Society Initiative

«Das Kind wird noch viel Freude bereiten»

Prominente Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wissenschaft gaben am Mittwoch in der Aula den Startschuss für die UZH Digital Society Initiative. Mit dem Vorhaben strebt die Universität eine Führungsrolle im Bereich Digitalisierung an.

Stefan Stöcklin

Politiker und Wissenschaftler
Politiker und Wissenschaftler
Die Politik umringt von Wissenschaft. UZH-Rektor Michael Hengartner, Bundespräsident Johann Schneider-Ammann, Bildungsdirektorin Silvia Steiner und Informatiker Abraham Bernstein (vl). (Bild: Frank Brüderli)

 

Wie bedeutend die «UZH Digital Society Initiative» (DSI) für die Universität Zürich ist, zeigte sich am Mittwoch Abend bei der offiziellen Eröffnung in der Aula: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann würdigte die Forschungsinitiative zusammen mit der Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner.

Von Seiten der Universität erläuterten Rektor Michael Hengartner und DSI-Initiant Abraham Bernstein, Direktor des Instituts für Informatik, das Vorhaben. Zuspruch erhielt das Projekt ebenfalls vom Informatik-Unternehmer Ralph Mogicato und der Co-Direktorin des Zürcher Museums für Digital Kunst, Caroline Hirt.

Schneider-Ammann: Der richtige Ansatz

In einer umfassenden Rede hob der Bundespräsident die zukunftsweisenden Entwicklungen der Digitalisierung hervor und lobte die UZH für die Lancierung der Digital Society Initiative: «In dem Projekt sind alle sieben Fakultäten der Universität involviert.» Dies sei «genau der richtige Ansatz. Denn für die technische Innovation und gesellschaftliche Reflexion seien die Theologen und Soziologen ebenso wichtig wie die Computerwissenschaftler und Mathematiker.

Johann Schneider -Ammann
Johann Schneider -Ammann
Bundespräsident Johann Schneider-Ammann: «Die DSI ist genau der richtige Ansatz.» (Bild: Frank Brüderli)

 

Schneider-Amman machte deutlich, dass die künftigen Entwicklungen mit Unsicherheiten behaftet seien, was in der Gesellschaft auch Ängste auslösen könne. Zum Beispiel Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes oder dem Verlust der Privatsphäre durch die Offenlegung digitaler Daten.

Aus liberaler Sicht sei für ihn allerdings klar, dass in einer «derart dynamischen Entwicklung wie der Digitalisierung» Freiheit oberstes Prinzip bleiben müsse. «Verbote können keine Antwort auf eine Welt im Wandel sein», so der freisinnige Bundespräsident.

Reflect the future

Als Politiker erwarte er von der Wissenschaft, dass sie die zukünftigen Entwicklungen antizipiere. «Reflect the future» gelte ebenso für die Forschung wie die Politik. Mit der Strategie «Digitale Schweiz» strebe der Bundesrat vergleichbare Ziele an wie die UZH mit der Digital Society Initiative. «Auch wir versuchen, mit verschiedenen Akteuren und interdisziplinär Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung zu erkennen.»

Zum Schluss forderte er die DSI-Initianten zur Forschung auf, um Antworten auf offene Fragen zu finden und Innovationen für die Wirtschaft zu liefern: «Sie sind die pacemaker der Digitalisierung», rief Johann Schneider Ammann den Forscherinnen und Forschern im Publikum in Erinnerung.

Silvia Steiner: Grosse Chance für die UZH

Ammanns Rede erntete viel Applaus, nicht zuletzt deshalb, weil der Bundespräsident seine Rede mit launischen Bemerkungen durchsetzte und offensichtlich Gefallen am Thema und Vortragsort fand, den er nächsten Montag bereits wieder im Rahmen der Churchill-Feiern besuchen wird.

Auch Bildungsdirektorin Silvia Steiner liess es sich nicht nehmen, der DSI-Eröffnung trotz Regierungsrats-Klausur teilzunehmen. Sie sei stolz, dass die Digital Society Initiative in Zürich entstehe, einem Hochschulstandort von globaler Bedeutung. «Die Initiative ist eine grosse Chance für die Universität».

Silvia Steiner
Silvia Steiner
Bildungsdirektorin Silvia Steiner: «Bereicherung für den Hochschulstandort Zürich.» (Bild: Frank Brüderli)

 

Michael Hengartner: Pionierrolle der UZH

Rektor Michael Hengartner ging in seiner Ansprache auf die Frage ein, wieso die Universität die Forschungsinitiative gerade jetzt lanciere. Die Digitalisierung durchdringe die Gesellschaft und Wissenschaft immer stärker und es stellten sich drängende Fragen. Zum Beispiel zur Zukunft der Demokratie oder neuen Möglichkeiten in Wissenschaft und Arbeitswelt.

Als breit diversifizierte Universität sei die UZH prädestiniert, Fragen zur Digitalisierung der Gesellschaft zu erforschen und zu reflektieren. Der Rektor machte die Pionierrolle der UZH in diesem Bereich deutlich und betonte, dass man die Forschungsinitiative kontinuierlich ausbauen werde.

Michael Hengartner
Rektor Michael Hengartner: «Die Universität Zürich hat eine Pionierrolle.» (Bild: Frank Brüderli)

 

Unterstützung erhielten die Promotoren sodann vom Zürcher Informatik-Unternehmer und UZH-Alumnus Ralph Mogicato, der deutlich machte, dass an der Digitalisierung kein Weg vorbeiführe. Glückwünsche übermittelte auch Caroline Hirt, die in Zürich das einzigartige Museum of Digital Arts (MuDA) aufgebaut hat und sich an der Schnittstelle Kunst und Wissenschaft mit der Digitalisierung befasst.

Aufbruchstimmung

Mit der Eröffnung beginnt die Aufbauphase der UZH Digital Society Initiative. Vier Jahre geben sich die Promotoren, um die ersten Projekte (siehe Box) voran zutreiben und neue zu lancieren. In dieser ersten Phase soll die Initiative weiter vernetzt werden, zusätzliche Mittel sollen eingeworben werden.

Neue Projekte sollen sowohl aus universitären als auch Drittmitteln finanziert werden. Mittelfristig geplant ist die Berufung neuer Professorinnen und Professoren, die der DNA der Initiative entsprechen.

Für das DSI-Direktorium um Abraham Bernstein und Geschäftsführer Markus Christen gibt es also einiges zu tun. Die  Aufbruchstimmung in der Aula und den Apérogesprächen war am Mittwoch greifbar. 

Regierungsrätin Silvia Steiner drückte die vorherrschende Stimmung treffend aus. Sie prophezeite, dass wir an dem Kind, das soeben geboren wurde, noch viel Freude haben werden.

Die vier Bereiche der UZH Digital Society Initiative

Die Hauptinitianten präsentierten die Forschungsinitiative «UZH Digital Society Initiative» am Mittwoch auch an einer Medienorientierung. DSI-Direktor Abraham Bernstein erläuterte vier Bereiche, auf die man sich in einer ersten Phase konzentrieren möchte: Digitalisierung und Gesundheit, Demokratie und Partizipation, die Zukunft der Digitalen Gesellschaft und Nachhaltige Produktion. Bereits liegen ein gutes Dutzend Forschungsprojekte vor, die im Rahmen der DSI von mehreren Gruppen aus verschiedenen Fakultäten vorangetrieben werden.

Dazu gehört zum Beispiel das Projekt «EMOtive» von DSI-Direktoriumsmitglied Sara Irina Fabrikant, Professorin am Geographischen Institut, über digitalisierte Karten auf Smartphones. Zusammen mit ihrem Team untersucht sie, wie wir uns mit Hilfe dieser digitalen Assistenten zurechtfinden und wie wir die Navigation in Stresssituationen nutzen. Das Projekt an der Schnittstelle von Geographie, Informatik und Psychologie soll einerseits helfen, zukünftige Navigationssysteme zu verbessern. Andrerseits lässt sich auch das angeborene, menschliche Orientierungsvermögen erforschen.

Ein weiteres Forschungsprojekt von DSI-Direktoriumsmitglied Mike Martin, Professor für Gerontopsychologie, befasst sich mit Aktivitäts- rsp. Gesundheitsdaten von älteren Menschen. Mobile Sensoren können heute lückenlose Aktivitätsdaten aufzeichnen. Diese individuellen Daten können im Vergleich mit Daten ganzer Gruppen, das heisst Big Data, qualitativ neue Aussagen über den Gesundheitszustand einer Person liefern. Im Projekt «Health Activity Analytics» soll dieses Potential ausgelotet werden. Allerdings stellen sich in diesem Bereich noch gesetzliche Hürden, die ebenfalls geklärt werden müssten.

Die beiden Projekte zeigen exemplarisch die Ziele der Forschungsinitiative. Es handelt sich um disziplinenübergreifende Projekte zukunftsgerichteter digitaler Technologien. Zudem besitzen sie Potential zur Reflexion mit der Gesellschaft, was ausdrücklich angestrebt wird, unter anderem in speziellen Foren ausserhalb der UZH.

Stefan Stöcklin, Redaktor UZH News

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