Swiss-European Mobility Programme

Fürs Praktikum ins Ausland

Als Ersatz für die derzeit sistierte Mitgliedschaft im Erasmus+-Programm hat die Schweiz die Übergangslösung «Swiss-European Mobility Programme» aufgebaut. Damit unterstützt der Bund auch Studierende, die Praktika absolvieren. Lion Gallusser, Student der Musikwissenschaft, arbeitet derzeit an einem französischen Forschungszentrum für barocke Musik.

Adrian Ritter

Kann Sprachaufenthalt, Masterarbeit und Einblick ins Berufsfeld verbinden: UZH-Student Lion Gallusser vor dem «Centre de musique baroque» in Versailles. (Bild: zVg)

Ein Praktikum bereichert das Studium. Dies trifft umso mehr zu, wenn man ein solches im Ausland absolviert und zusätzlich die Sprachkenntnisse verbessern und in eine andere Kultur eintauchen kann.

Seit 2013 kann die UZH im Rahmen des Erasmus-Programms beziehungsweise nun im «Swiss-European Mobility Programme» (SEMP) nicht nur Fördergelder für Studierende beantragen, die einen Austauschaufenthalt an einer Hochschule absolvieren, sondern auch für Studierende, die ein Praktikum im europäischen Ausland absolvieren. Die Studierenden können damit einen Zuschuss an die Reise- und Aufenthaltskosten erhalten.
Ein Pilotprojekt in den Fächern Human- und Veterinärmedizin, Psychologie, Politikwissenschaft und Biologie. Inzwischen ist eine Praktikumsförderung in allen Studienfächern möglich, die Praktika anerkennen. Unterstützt werden sowohl Incoming- wie Outgoing-Studierende, welche die Kriterien des Programms erfüllen.

Den Praktikumsplatz müssen die Studierenden selber suchen – als Praktikumsbetriebe sind Hochschulen, aber auch Unternehmen möglich. Im Gegensatz zu einem Austauschsemester braucht es für ein SEMP-Praktikum keinen Austauschvertrag zwischen der UZH und einer Partnerhochschule. Outgoing-Studierende können somit auch ein Praktikum an einer europäischen Hochschule absolvieren, die keine offizielle Partnerin der UZH ist. Für das laufende Jahr sind noch finanzielle Mittel verfügbar, um Praktika von UZH-Studierenden zu unterstützen.

Erfahrungsbericht aus Versailles

Lion Gallusser, UZH-Student der Musikwissenschaft, absolviert derzeit ein Praktikum an einem französischen Forschungszentrum für barocke Musik. Hier sein Erfahrungsbericht für UZH News:

«Nach dem Bachelorstudium und dem ersten Semester Masterstudium entschloss ich mich zu einem Auslandaufenthalt. Mit meiner Fächerkombination Musikwissenschaft und Französische Sprach- und Literaturwissenschaft lag Frankreich als Destination auf der Hand. Dies umso mehr, als dass ich meine Masterarbeit danach über französische Barockmusik schreiben möchte – über die Opern von Jean-Baptiste Lully, der fast zeitlebens am Hof von Louis XIV als Komponist tätig war.

Im Rahmen des «Swiss-European Mobility Programme» absolvierte ich einen Austauschaufenthalt an der Universität von Tours an der Loire, bis Ende Februar 2015. Die meisten Kurse besuchte ich dabei am «Centre d'études supérieures de la Renaissance». Ein Dozent dort machte mich darauf aufmerksam, dass das Zentrum eine Partnerschaft mit dem «Centre de musique baroque» in Versailles unterhält – ein Forschungszentrum, das Praktika anbietet. Ich nahm Kontakt auf, durfte mich vorstellen und erhielt eine der begehrten Praktikumsstellen.

So bin ich jetzt seit Anfang März und noch bis Ende April an diesem Forschungszentrum tätig, das sich auf die französische Barockmusik spezialisiert hat. Ich helfe mit, Kolloquien und Seminare zu organisieren. Nicht nur beim Austausch, auch im Praktikum werde ich vom Swiss-European Mobility Programme finanziell unterstützt.

Arbeit und Forschung verbinden

Neben der Arbeit für das Zentrum habe ich Zeit für persönliche Recherchen. Ich nutze dies zur Vorbereitung auf meine Masterarbeit, die ich anschliessend an der UZH schreiben werde. Ich finde am «Centre de musique baroque» eine gute Bibliothek, eine Fülle von Quellen und vor allem kompetente und hilfsbereite Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mir Auskunft geben können.

Darüber hinaus zeigt mir das Praktikum, wie der Alltag eines Wissenschaftlers in einem Recherchezentrum aussieht. Das sind für mich wertvolle Einblicke, da ich mir gut vorstellen kann, mein Studium mit einem Doktorat fortzusetzen.

Mit offenen Augen ins Ausland

So unverhofft wie ich zu einem Praktikum gekommen bin, kann ich anderen Studierenden nur empfehlen, während eines Austauschsemesters im Ausland die Augen offen zu halten und sich interessiert zu zeigen. Es lohnt sich auch, Institutionen direkt zu kontaktieren, auch wenn kein Praktikum ausgeschrieben ist.

Die Vorbereitungen für ein Austauschsemester oder Praktikum sollte man frühzeitig angehen. Ich habe fast sechs Monate benötigt, bis alles organisiert war. Gerade im Falle von Frankreich sollte man sich auch auf einige administrative Arbeit gefasst machen. Die Mitarbeitenden der Abteilung Internationale Beziehungen an der UZH halfen mir zum Glück, die nötigen Papiere zu besorgen. Nicht vergessen sollte man auch, frühzeitig eine Unterkunft zu organisieren – man hat vor Ort genug anderes zu tun, um sich zurechtzufinden.

Der Aufwand lohnt sich. Das Praktikum in Versailles ist für mich die ideale Möglichkeit, einen Sprachaufenthalt mit meinen beiden Studienfächern, meiner Masterarbeit, dem Einblick in ein potentielles Berufsfeld und dem Entdecken einer neuen Kultur und der Stadt Paris zu verbinden.»

Adrian Ritter ist Redaktor von UZH News.

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