Gastprofessur für Islamische Theologie und Bildung

Die Vielfalt des Islam reflektieren

Die UZH richtet für die nächsten drei Jahre eine Gastprofessur für Islamische Theologie und Bildung ein. Jeweils im Herbstsemester wird ein Gastdozent drei Lehrveranstaltungen pro Woche anbieten. Mitte September übernimmt Abbas Poya die erste Gastprofessur.

Adrian Ritter2 Kommentare

Übernimmt ab Mitte September die erste Gastprofessur für Islamische Theologie und Bildung an der UZH: Abbas Poya. (Bild: Adrian Ritter)

An der Universität Zürich entsteht auf das Herbstsemester 2015 eine neue, für drei Jahre geplante Gastprofessur für Islamische Theologie und Bildung. Ziel der Gastprofessur ist es, Themen der islamischen Theologie und Bildung im kulturellen, religiösen und weltanschaulichen Kontext Europas zu diskutieren. «Derartige Fragestellungen werden an den Universitäten noch zuwenig diskutiert und reflektiert» erklärte Ulrich Rudolph, UZH-Professor für Islamwissenschaft an der UZH, gestern an einem Mediengespräch.

Die Gastprofessur gründet in einer Zusammenarbeit der Abteilung Islamwissenschaft an der Philosophischen Fakultät und dem Religionswissenschaftlichen Seminar an der Theologischen Fakultät der UZH. Auch Christoph Uehlinger, Professor für Religionswissenschaft, ortet einen Bildungsbedarf beim Thema Islam: «Religion und Bildung stehen heute bisweilen in einem Ungleichgewicht. Es besteht die Tendenz, die religiöse Überzeugung zu betonen und das Wissen und die Reflexion über die eigene Religion zu vernachlässigen.» 

Finanziert wird die neue Gastprofessur für vorerst drei Jahre durch die Paul Schiller Stiftung. Sie unterstützt Projekte, die eine integrative Gesellschaft fördern. In ihrer Ausrichtung orientiert sie sich an der Sigi-Feigel-Gastprofessur für Jüdische Studien, welche die Universität Zürich seit 2010 jewils im Frühlingssemester besetzt.

Breiter akademischer Hintergrund

Auf die Ausschreibung zur ersten Gastprofessur für das Herbstsemester 2015 hatten sich 13 Personen beworben. Die UZH entschied sich für den Privatdozenten Dr. Abbas Poya mit seinem breiten akademischen Hintergrund, erläuterte Prorektor Otfried Jarren.

Der 48-jährige deutsche Staatsangehörige ist in Afghanistan aufgewachsen. Er studierte islamische Theologie an Hochschulen in Afghanistan, Iran und Syrien und anschliessend Islamwissenschaft, Politikwissenschaft und Vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Hamburg. 2002 erlangte er die Promotion in Hamburg, 2014 die Habilitation in Freiburg im Breisgau. Heute leitet er an der Universität Erlangen-Nürnberg die Nachwuchsforschergruppe «Norm, Normativität und Normenwandel».

Schwerpunkt Gerechtigkeit

«Die Gastprofessur versteht sich als ein Ort der wissenschaftlichen Reflexion», sagte Ulrich Rudolph am Mediengespräch. Es sei keineswegs geplant, eine Imamausbildung anzubieten. Der jeweilige Gastprofessor oder die Gastprofessorin wird im Herbstsemester drei Lehrveranstaltungen abgehalten: eine für Studierende der Islamwissenschaft, eine für Studierende der Religionswissenschaft sowie eine öffentliche Vorlesung, die sich an Hörerinnen und Hörer aller Fakultäten richtet. «Im Idealfall vermag die Gastprofessur zum Diskurs innerhalb der muslimischen Gemeinschaft beitragen», sagte Prorektor Otfried Jarren am Mediengespräch.

«Ich betrachte den Islam als Religion mit einer Vielfalt an Standpunkten und Ausprägungen, die sich zudem im ständigen Wandel befinden», sagte Poya. In Übereinstimmung mit seinem Forschungsschwerpunkt in Erlangen-Nürnberg will er in seinem Gastsemester an der UZH insbesondere die Auffassungen des Islam zum Thema Gerechtigkeit erörtern – etwa im Hinblick auf das Zusammenleben verschiedener religiöser Gemeinschaften in der Gesellschaft oder bezüglich der Gleichbehandlung der Geschlechter.

«Dass mit Abbas Poya ein Wissenschaftler für die Gastprofessur gewonnen werden konnte, der sowohl islamische Theologie, Islamwissenschaft wie auch Religionswissenschaft als akademischen Hintergrund mitbringt, ist ein Glücksfall» sagte Christoph Uehlinger.

Adrian Ritter ist Redaktor von UZH News.

2 Leserkommentare

Uri Liebeskind schrieb am Leider falscher Auftrag Hr. Poya ist ein netter Mensch, der sich um gegenseitiges Verständnis bemüht. Dies mündet darin, dass er die Vielfalt des Islams aufzeigt und nicht nur seine dunklen Seiten der Intoleranz und Ausgrenzung. So sagt er über den Koran, dass dieser Juden und Christen unter Muslimen dulde und vor Verfolgung schütze. Dabei verschweigt er jedoch, dass Mohamed in seinen späteren Texten dazu aufgerufen hat, Juden und Christen im heiligen Krieg zu ermorden und dies auch getan hat. Mohamed hat Mekkah von allen Ungläubigen "gereinigt". Es ist selbstverständlich für uns, dass nicht alle Muslime primitive und gewalttätige und intolerante Unmenschen sind und es ist überflüssig, für solche Botschaften eine Professur zu etablieren. Was es braucht ist eine Professur, welche sich für Muslime in Europa mit dem Islam und Koran kritisch auseinandersetzt und diese nicht schönredet, wie auch wir im Westen mit der Bibel und ihren Lehren kritisch umgehen und ihre absoluten Ansprüche und "Göttlichkeit" ablehnen.
Gaby Atta schrieb am Eine sehr guter Entscheid Die Einrichtung dieser Gastprofessur ist eine ganz gute und wichtige Sache! Ich freue mich sehr darüber und hoffe, dass sie bis weit in die Bevölkerung hinein dazu beitragen kann, Ängste abzubauen und falsche Vorstellungen zu korrigieren!

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