Geographie

Die Gletschersucher

Das «Randolph Gletscher Inventar» gibt erstmals eine Übersicht über alle Gletscher der Erde. Das Geographische Institut der UZH hat mitgeholfen, das Inventar zu erstellen. Die Forschenden um Frank Paul und Tobias Bolch haben unter anderem die Gletscher in Grönland erfasst.  

Adrian Ritter

Mehr Fläche als gedacht: In Grönland bedecken Gletscher, die zusätzlich zum Eisschild bestehen, eine Fläche von 90'000 Quadratkilometern.  (Bild: Frank Paul)

Der Eisschild in Grönland bedeckt rund 82 Prozent des Landes. Daneben existieren aber weitere Gletscher, zum Teil mit dem Eisschild verbunden, zum Teil unabhängig davon. Eine genaue Abgrenzung existierte bisher nicht.

Frank Paul und Tobias Bolch haben das gemeinsam mit drei weiteren Mitarbeitenden am Geographischen Institut der UZH geändert. Sie haben mit Hilfe von Satellitenbildern alle Gletscher in Grönland erfasst und mitgeholfen, dasselbe in den Alpen sowie in Teilen von Norwegen, Chile und im Himalaya zu tun.

In Grönland sind sie auf 20'000 Gletscher gestossen, die zusätzlich zum Eisschild existieren. «Ihre Fläche ist 50 Prozent grösser als vorher vermutet wurde – rund 90'000 Quadratkilometer», sagt Frank Paul.

Gletscher und Eisschilde

Die Daten der Zürcher Forscher sind nun Teil des «Randolph Gletscher Inventars» (RGI). Das Inventar wurde soeben in der Fachzeitschrift Journal of Glaciology vorgestellt. Es entstand aus einer Zusammenarbeit von rund 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 18 Ländern. Das Inventar entstand auf der Grundlage der bestehenden, aber unvollständigen Datenbank von GLIMS (Global Land Ice Measurements from Space).

Mit dem öffentlich zugängliche RGI besteht nun eine Übersicht mit einer bisher nicht gekannten Genauigkeit. Sie zeigt: Insgesamt bedecken rund 200’00’ Gletscher die Erde. Sie haben eine Fläche von rund 730'000 Quadratkilometern. Die Gletscherfläche ist damit so gross wie Deutschland, die Schweiz und Polen zusammengenommen. Hinzu kommen die Eisschilde in Grönland und der Antarktis.

Unterschiedliches Schmelzen

Das neue Inventar erlaubt es Glaziologen, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gletscher präziser zu erfassen und beispielsweise genauer zu bestimmen, mit welchem Anstieg des Meeresspiegels beim Abschmelzen zu rechnen ist. So war es denn auch die Arbeiten an den Weltklimaberichten, die die Erstellung des RGI vorangetrieben hatten.

«Die Gletscher sind dem globalen Temperaturanstieg viel stärker ausgesetzt als die Eisschilde, da sich das Eis der Gletscher bereits am Schmelzpunkt befindet», sagt Frank Paul. Die Gletscher tragen rund ein Drittel zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Je ein weiteres Drittel entfällt auf die Eisschilde und der Ausdehnung des Meerwassers, wenn es sich erwärmt.

Die Arbeiten am Geographischen Institut wurden im Rahmen der Projekte ice2sea(7. EU-Rahmenprogramm) und Glaciers_cci (European Space Agency) finanziert.

Adrian Ritter ist Redaktor UZH News.

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