Europäisches Jugendparlament in Zürich

Junge Leute machen internationale Politik

Ende Juli tagte das Europäische Jugendparlament in Zürich. Rund 300 Jugendliche aus 36 Ländern debattierten über das Thema Nachhaltigkeit. Die Eröffnung der Session fand in der Aula der Universität Zürich statt. UZH News zeigt in einem Video, wie die jungen Parlamentarierinnen und Parlamentarier die Zukunft Europas mitgestalten wollen.

Adrian Ritter

Emsiges Treiben in der Jugendherberge: Jungparlamentarierinnen und -parlamentarier aus Spanien, Grossbritannien, Russland und vielen anderen europäischen Ländern trafen sich diesen Sommer in Zürich. (Video: UZH, Brigitte Blöchlinger)

Sehen Sie hier das Video auf YouTube.

Schon oft war die Jugendherberge Zürich in Wollishofen komplett ausgebucht. Dass aber für eine einzige Veranstaltung das ganze Haus gleich für zehn Tage reserviert wurde, hat Geschäftsführer Daniel Müller zuvor noch nie erlebt.

Vom 19. bis 28. Juli logierten in der Jungendherberge die Mitglieder des Europäischen Jugendparlaments. Nicht nur um schöne Stunden am Badestrand und bei der Stadtrundfahrt zu erleben, sondern vor allem, um intensive politische Arbeit zu leisten: In Zürich fand die 73. Session des Europäischen Jugendparlaments statt.

In den Räumlichkeiten des Gymnasiums Rämibühl und der Universität Zürich debattierten die 15- bis 26jährigen Parlamentarierinnen und Parlamentarier über Nachhaltigkeit. «Global Europe – Working towards sustainable economies», so lautete das Thema der Session.

Zur Verköstigung stand en Jugendlichen an einigen Tagen die Obere Mensa UZH Zentrum zur Verfügung. Probiert werden konnten Schweizer Spezialitäten. Zudem fand auf der Terrasse vor dem Hauptgebäude der UZH die «Swiss Night» statt, ein Unterhaltungsprogramm mit Musik aus der Schweiz.

Von der Diskussion zur Resolution

Das Europäische Jugendparlament (EYP) simuliert die Abläufe des Europäischen Parlaments mit Sitz in Strassburg und Brüssel. In Ausschüssen von rund 15 Personen analysieren und diskutieren die Jungpolitikerinnen und -politiker das Thema. Das Ziel: Eine gemeinsame Resolution formulieren, die später der Vollversammlung des Jugendparlaments präsentiert und dort bestenfalls in der Abstimmung auch angenommen wird.

Die Tätigkeit im EYP soll nicht nur das Wissen über die Politik auf europäischer Ebene fördern. Auch Fähigkeiten wie Kommunikation, interkulturelle Teamarbeit und Fremdsprachenkenntnisse sollen trainiert werden. Gesprochen wird bei den Sessionen Englisch und Französisch.

Wertvolle Initiativen

«Initiativen wie das Europäische Jugendparlament sind sehr wertvoll», ist Karima Bousbah überzeugt. Die Politikwissenschaftlerin untersucht in ihrer Dissertation an der UZH die politische Partizipation von Jugendlichen: «Jugendparlamente sind eine gute Möglichkeit, die Funktionsweise der Politik kennen zu lernen», sagt sie.

Bei kantonalen Jugendparlamenten hat Bousbah schon festgestellt, dass die von den Jugendlichen identifizierten Probleme und erarbeiteten Vorschläge von der «richtigen» Politik später auch aufgegriffen wurden.

Aus Erfahrungen lernen

Im Europäischen Jugendparlament werden die Jugendlichen von erfahrenen Teilnehmenden früherer Sessionen unterstützt und angeleitet. UZH-Studentin Sophie Debrunner Hall zum Beispiel war Ende Juli in dieser Funktion tätig. Sie beginnt im Herbst ihr drittes Studienjahr in Politikwissenschaft und Geschichte. Seit 2009 engagiert sie sich im Europäischen Jugendparlament, hat schon an mehr als zwanzig Sessionen teilgenommen und amtet zur Zeit auch als Vizepräsidentin der Schweizer Sektion des Europäischen Jugendparlaments.

Europäisches Jugendparlament

Zehntausende Jugendliche haben sich seit der Gründung des Europäischen Jugendparlaments 1987 in Frankreich als Jungpolitikerinnen und Jungpolitiker geübt. Dreimal jährlich finden europäische Treffen statt, daneben organisieren in 36 Ländern nationale Komitees Konferenzen, an denen sich Jugendliche für die europäischen Sessionen qualifizieren können. Zum dritten Mal fand Ende Juli ein europäisches Treffen in der Schweiz statt. Das akademische Patronat dieser 73. Session hatten der Politikwissenschaftler Prof. Daniel Kübler und die Historikerin Prof. Béatrice Ziegler vom Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA)– einem Forschungszentrum der Universität Zürich und der Fachhochschule Nordwestschweiz – inne.

Adrian Ritter, Redaktor UZH News

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