Forschungsnahes Lehren und Lernen

Schritte ins Unbekannte wagen

Dabei zu sein, wo Entdeckungen gemacht werden, gibt dem Studium die Würze. Anhand von acht Beispielen zeigen wir, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, an der UZH forschungsnah zu lehren und zu lernen. Noch bis Ende dieser Woche ist dazu an den UZH-Standorten Zentrum,  Irchel und Zürich Nord auch eine Plakatausstellung zu sehen.

David Werner

Noch bis 29. November im Kollegiengebäude, am Standort Irchel und an der Affolternstrasse 56 zu sehen: Plakatausstellung zu forschungsnahem Lehren und Lernen an der UZH. (Bild: Frank Brüderli)

Die Idee der Einheit von Forschung und Lehre prägt die Universität Zürich, bildet den Kern ihres Selbstverständnisses. Studierende lernen von Forschenden, und sie lernen, indem sie selbst forschen.

Es ist im Grunde eine einfache, alte Idee. Und es ist wohl noch immer eine gute Idee. Das merkt man, wenn man mit Studierenden über ihre ersten, noch frischen Forschungserfahrungen spricht, um zu erfahren, wie sich forschendes Lernen an der UZH im konkreten Fall abspielt. Es sind lebhafte, begeisterte Berichte, die man da zu hören bekommt: Berichte von Durststrecken und Kraftakten, von überwundenen Hindernissen, überraschenden Einsichten, gewonnenem Selbstvertrauen.

Forschungsnahe Lehre fordert Studierende heraus. Sie fördert Problemlösungskompetenzen, Kreativität, Selbständigkeit und kommunikative Fähigkeiten, sie wirkt motivierend, stärkt den persönlichen Bezug zum Fach und schärft dadurch das Gedächtnis für die Lerninhalte. 

Mut zu Umwegen und Irrwegen

Intensivwochen, Projektstudien, Forschungspraktika und Feldexkursion – das sind Paradeformen forschungsnaher Lehre. Man kann Studierende aber auch ganz beiläufig in konventionellen Lehrveranstaltungen wie Seminaren oder gar Vorlesungen an die Forschung heranführen.

Vorlesungen ermöglichen zwar keine praktischen Forschungserfahrungen, aber sie sind dazu geeignet, Studierenden Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte und -probleme zu geben. Oder ihre Aufmerksamkeit auf Streitpunkte und Forschungslücken zu lenken und sie auf ein Terrain zu locken, das noch nicht restlos beschrieben und kartiert ist.

Vorlesungen, die nicht nur Lehrstoff servieren, sondern Raum für offene Fragen lassen, stacheln den Entdeckergeist an. Überhaupt geht es beim forschungsnahen Lernen nicht einfach nur um Wissenserwerb, sondern auch um die Einübung einer bestimmten, genuin wissenschaftlichen Haltung. Was diese Haltung kennzeichnet, ist Ergebnisoffenheit und damit Mut zu Irrwegen und Umwegen.

Auch die Fähigkeit, Unsicherheiten und Unschärfen auszuhalten, gehört dazu. «Es ist wichtig, dass die Studierenden ermuntert werden, sich die Freiheit zu nehmen, experimentell an Forschungsfragen heranzugehen. Gleichzeitig brauchen sie klare Leitplanken, damit sie sich nicht verlieren», sagt Sabine Brendel, Leiterin der Fachstelle für Hochschuldidaktik. Studierende in die Forschungspraxis einzuführen, ist anspruchsvoll. Die Fachstelle für Hochschuldidaktik bietet Dozierenden Beratung und Unterstützung an.

Nicht alles auf einmal

Ein häufiger Fehler besteht laut Brendel darin, dass man Studierende innerhalb eines einzigen Moduls einen ganzen Forschungszyklus durchführen lässt, um sie mit allen Forschungsschritten vertraut zu machen. Das sei oft zu viel auf einmal. In einem Semester lasse sich dies kaum bewältigen.

Ein Forschungszyklus umfasst mehrere Etappen: Zuerst wird ein Problem identifiziert, dann sichtet man den Forschungsstand, entwickelt eine Fragestellung und wählt passende Methoden. Es folgt die eigentliche Untersuchung und darauf die Bewertung und Reflexion der Ergebnisse. Schliesslich werden die Forschungsresultate an Tagungen präsentiert und publiziert. Brendel empfiehlt, pro Veranstaltungsmodul nur wenige dieser Forschungsetappen in den Blick zu nehmen. Im Idealfall erwerben Studierende den gesamten Kanon methodischer Fähigkeiten Schritt für Schritt in mehreren aufeinander abgestimmten Modulen, die auf das gesamte Studium verteilt sind.

«Systematische Verknüpfung von Forschung und Lehre» nennt sich dieses Prinzip. Damit es funktioniert, sollte forschungsnahe Lehre systematisch in die Curricula integriert werden. Wissenschaftliche Neugier ist ansteckend. Freilich gibt es auch Lernvorgänge, die sich kaum kontrollieren und systematisch steuern lassen. Dazu gehören namentlich solche, die auf Vorbildwirkung beruhen. Die Art und Weise, wie Wissenschaftler forschen, färbt oft unwillkürlich auf Studierende ab. Leidenschaft, Neugier und geistige Unrast sind ansteckend. Gut so! 

Acht gute Beispiele für foschungsnahe Lehre

Im Folgenden stellen wir acht gute Beispiel forschungsnaher Lehre vor. Lesen Sie ausserdem im Interview mit Otfried Jarren, Rektor ad interim der UZH, und Thomas Hildbrand, Leiter des Bereichs Lehre, zur Frage, warum die UZH forschungsnahes Lehren und Lernen fördert.

Populäre Kulturen: Fruchtbare Diskussionen

Medizin: Kreativer Exploit im Zweierbüro

Physik: Abschauen und ausprobieren

Veterinärmedizin: Kleiner Aufwand, grosser Ertrag

Anthropologie: Zeit für Irrwege und Knobeleien

Archäologie: Sechs Wochen Knochenarbeit

Geographie: Recherchen im Nationalpark

Wirtschaftswissenschaften: Unterwegs nach Dublin

Gut zu wissen

Der Bereich Lehre unterstützt das strategische Ziel der UZH, die systematische Verknüpfung von Forschung und Lehre zu stärken. Er hat eine Website zu diesem Thema eingerichtet, die Lehrenden Orientierungshilfen, praktische Beispiele und weiterführende Literatur zu diesem Thema bietet und laufend ergänzt wird. Die Plakatausstellung ist bis Ende dieser Woche im Lichthof des Kollegiengebäudes, im Lichthof des Standorts Irchel und an der Affolternstrasse 56 zu sehen.

David Werner ist Leiter Publishing UZH.

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