ERC Advanced Grants

EU-Gelder für Life-Science-Forschung

Neurologie-Professor Roland Martin und Biochemie-Professor Raimund Dutzler erhalten je einen «ERC Advanced Grant». Der Europäische Forschungsrat unterstützt die beiden Life-Science-Forscher der UZH in den kommenden fünf Jahren mit jeweils mehr als zwei Millionen Euro. Für das Biochemische Institut ist es ein Erfolg in Serie: Fünf von sechs Professoren forschen derzeit mit einem ERC Grant.

Adrian Ritter1 Kommentar

Erforscht mit dem ERC-Grant die Multiple Sklerose: Neurologie-Professor Roland Martin (Bild: zVg)

Der Europäische Forschungsrat unterstützt Roland Martin für die nächsten fünf Jahre mit rund 2,4 Millionen Euro bei der Erforschung der Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose. Martin ist Ordinarius für Neurologie und Neuroimmunologie und Leitender Arzt am Universitätsspital Zürich. Er freut sich sehr über die Auszeichnung und erachtet den Grant als Auszeichnung der in den letzten zwanzig Jahren geleisteten Arbeit zum Verständnis der Multiplen Sklerose (UZH News).

Als Wissenschaftler und gleichzeitig klinisch tätiger Arzt hat er weniger Zeit für Forschung als andere Wissenschaftler. «Unsere wissenschaftliche Arbeit wird von reinen Grundlagenforschern bisweilen weniger wahrgenommen und ernstgenommen», so Martin. Der Grant verschaffe ihm und seiner Arbeitsgruppe mehr Sichtbarkeit. Gleichzeitig werde er es erlauben, mehr Zeit für die Forschung aufzuwenden.

Im Rahmen des ERC-Projektes wird Roland Martin den wichtigsten genetischen Faktor der Multiplen Sklerose, den sogenannten HLA-DR15 Haplotyp, weiter erforschen. Das Geld setzt er unter anderem für die Entwicklung neuer experimenteller Methoden ein: «Der Grant ermöglicht uns, Ideen und Ansätze zu verfolgen, die wir wegen des hohen Risikos, dass sie nicht zum Erfolg führen, sonst vielleicht nicht angehen würden.»

Kann dank des ERC Advanced Grants anspruchsvolle Experimente realisieren: Biochemie-Professor Raimund Dutzler. (Bild: zVg)

Zeitpunkt stimmt

Den zweiten ERC Advanced Grant 2013 erhält Raimund Dutzler, UZH-Professor für Biochemie. Auch er ist sehr erfreut über die Unterstützung durch den Europäischen Forschungsrat: «Der Grant kommt genau zur richtigen Zeit. Der Nationale Forschungsschwerpunkt Strukturbiologie hatte für uns ein Umfeld geschaffen, das weltweit wahrscheinlich einzigartig war. Mit dessen Ende fällt auch ein wichtiger Teil unserer Forschungsmittel weg.»

Mit den rund 2,2 Millionen Euro des Europäischen Forschungsrats kann Raimund Dutzler in den nächsten fünf Jahren die Struktur und Funktion von Kalzium-aktivierten Chloridkanälen untersuchen – einer Klasse von Ionenkanälen, die noch wenig erforscht ist. Die Aktivierung dieser Kanäle gilt als vielversprechende Strategie zur Behandlung der Erbkrankheit «Zystische Fibrose». Die Resultate des Projektes sollen Grundlagen für die gezielte Entwicklung von Medikamenten gegen diese tödliche Krankheit liefern.

Das Fördermittel wird Dutzler für die Gehälter von Postdoktoranden und Doktoranden, vor allem aber auch für Chemikalien und andere Labormaterialien verwenden. Die vorgesehenen Experimente sind anspruchsvoll und teuer. «Mit unserer Forschung betreten wir Neuland, da die Chloridkanäle mit keiner der bekannten Ionenkanalklassen verwandt sind. Ich bin zuversichtlich, dass wir bedeutende wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen können. Sie werden den Einsatz der Mittel mehr als rechtfertigen.»

Zwei Grants in einem Jahr

Das Biochemische Institut, an dem Dutzler tätig ist, konnte sich 2013 schon einmal über die Vergabe eines ERC Grants freuen: Im August hatte Assistenzprofessor Martin Jinek einen von drei ERC Starting Grants an der UZH zugesprochen erhalten (Medienmitteilung). Martin Jinek untersucht die dreidimensionalen Strukturen und molekularen Mechanismen von Protein-RNA-Komplexen, welche an der Abwehr von Viren beteiligt sind.

Die Erfolgsquote hinsichtlich ERC Grants ist damit am Biochemischen Institut aussergewöhnlich hoch: Nicht nur Raimund Dutzler und Martin Jinek, insgesamt fünf der sechs Professuren des Biochemischen Instituts forschen derzeit mit einem Starting oder Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats.

Ben Schuler erhielt 2007 einen der ersten Starting Grants für seine Studien über die Faltung von Proteinen (UZH News). Ohad Medalia wurde 2009 ein Starting Grant für die Untersuchung von makromolekularen Strukturen und Mechanismen in bestimmten Zellen verliehen (UZH News). Andreas Plückthun erhielt 2010 einen Advanced Grant für seine Pionierarbeiten zum Design neuer synthetischer Eiweissmoleküle (UZH News).

Der richtige Kurs

«Das Biochemische Institut hat es verstanden, herausragende Professoren zu berufen. Und die Grants sind eine Bestätigung für den eingeschlagenen Kurs, mit der Erforschung von Proteinen auf ein zukunftsträchtiges Gebiet zu fokussieren», ist Institutsdirektor Andreas Plückthun überzeugt. Angestossen wurde die Erfolgsgeschichte durch den Nationalen Forschungsschwerpunkt Strukturbiologie des Schweizerischen Nationalfonds, ist auch Plückthun überzeugt. Dieser dauerte von 2001 bis 2013 und hatte das Ziel, den dreidimensionalen Aufbau von biologischen Makromolekülen wie Eiweissen oder der Erbsubstanz zu erforschen.

Grants des Europäischen Forschungsrates

Mit den Starting Grantsunterstützt der Europäische Forschungsrat (ERC) besonders begabte junge Forschende mit je rund 1,5 Millionen Euro beim Aufbau einer erfolgreichen internationalen Karriere. Die Advanced Grantssollen es bereits etablierten Forscherinnen und Forschern erlauben, neue Projekte zu realisieren. An der UZH werden derzeit 31 Forschende mit einem Starting oder Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats unterstützt.

Adrian Ritter ist Redaktor von UZH News.

1 Leserkommentar

Walter Schaffner, Prof. schrieb am Gratuliere! Lieber Herr Dutzler, Zu Ihren ERC Grants gratuliere ich Ihnen und Herrn Martin ganz herzlich! Und mit Freude habe ich auch gelesen, dass gar 5 von 6 Proff. am Biochemischen Institut mit einem ERC Grant forschen - ohne Zweifel ein hotbed für gute Wissenschaft an der UZH! Mit besten Wünschen für weiteren Erfolg und Grüssen Walter Schaffner

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