Interaktives Lernen

Grüne Muntermacher für die Vorlesung

An der Universität Zürich werden in diesem Semester erstmals so genannte Clicker eingesetzt. Damit können die Studierenden per Knopfdruck direkt auf Fragen der Dozierenden antworten.

Marita Fuchs1 Kommentar

Die Vorlesung mit dem Clicker.

Montagmorgen, kurz vor 8 Uhr, an der Universität Zürich Irchel: Im Hörsaal G-60 verteilen sich mehr und mehr Studierende auf die dreihundert Plätze. Gleich beginnt die Vorlesung von Professor Konrad Basler zur Genetik, Pflichtveranstaltung im Grundstudium für angehende Biologen und Chemiker. Die Studierenden packen die Unterlagen aus und legen ihren froschgrünen Clicker neben den Papierblock.

Wie viele Chromosomen hat ein Maultier?

Was aussieht wie eine TV-Fernsteuerung, ist ein neues didaktisches Hilfsmittel für den Unterricht. Per Klick auf einen Nummernblock können die Studierenden auf Fragen des Dozenten antworten, per Funk wird die Eingabe anschliessend an den Computer des Dozenten übermittelt.

Als Muntermacher setzt Konrad Basler eine Clicker-Frage gleich zu Beginn der Vorlesung ein: «Wie viele Chromosomen hat ein Maultier? 31 – 62 – 63 – 64 oder 32?»

Jetzt kommt Bewegung in die Reihen. Die Frage ist knifflig, denn Maultiere vereinen Gene von Pferd und Esel. Dann läuft ein Countdown von 45 Sekunden. Einige sind sich ihrer Sache sicher und klicken sofort, andere zögern bis zum Schluss. Das Ergebnis erscheint auf der Leinwand: Aha, es sind 63 Chromosomen. 47 Prozent richtige Antworten – nicht schlecht für den Anfang.

Der Clicker: 45 Sekunden Zeit für die Antwort .

Anfängliche Skepsis

«Dem Dozenten gibt der Clicker Antworten auf zwei didaktisch relevante Fragen», sagt Robert Stidwill, Studienkoordinator des Fachbereichs Biologie. «Sind die Studierenden mit dem Kopf dabei, und haben sie die wichtigsten Punkte verstanden?»

400 Studierende des Biologie-Grundstudiums erwarben zu Beginn des Herbstsemesters ihren persönlichen Clicker – für 70 Franken – bei Rückgabe erhalten sie ihr Geld zurück. 250 Franken kosten die Receiver für die Dozerenden. Mitfinanziert wurde das neue didaktische Tool von der «Initiative Interaktives Lernen» der Universität Zürich.

Studienkoordinator Robert Stidwill: Hören, verstehen und klicken. (Bild: Marita Fuchs)

«Die Erstsemestrigen nahmen den Clicker sofort begeistert auf», erzählt Robert Stidwill. «Bei den älteren Semestern gab es eine gewisse Skepsis. Einige mutmassten, dass ihre Leistungen via Clicker kontrolliert würden.» Das ist jedoch nicht der Fall.

«Theoretisch könnten die Eingaben zwar überprüft und der jeweiligen Person zugeordnet werden», erklärt Stidwill, «doch an einer Prüfungsabfrage sind wir nicht interessiert. Es geht nur darum, den Studierenden selbst die Möglichkeit zu geben, ihren persönlichen Wissensstand abzuholen.»

Didaktische Herausforderung für Dozierende

Die Clicker werden in diesem Semester bei allen Biologievorlesungen des Grundstudiums eingesetzt. Bedeutet das für die Dozierenden mehr Arbeit? Müssen bewährte Vorlesungsmanuskripte umgestellt werden?

«Nein, das nicht. Jedoch sollten die Multiple-Choice-Fragen anregend formuliert und kreativ eingesetzt werden», empfiehlt die Didaktikexpertin des Fachbereichs Biologie Pamela Alean-Kirkpatrick. Es gehe darum, mit den Studierenden zu interagieren und ihr Interesse zu wecken.  

Technisch sind für die Dozierenden keine grossen Hürden zu bewältigen: Ein USB-Empfänger für das Notebook des Dozierenden, ein Clicker für jeden Studierenden genügen. Auf dem Notebook des Dozenten ist ein Zusatzprogramm (Plug-in) für Power-Point installiert, in diesem Programm wurden zuvor auch die Fragen erstellt.

Im Ausland schon lange im Einsatz

In den USA und in Grossbritannien gehören die Clicker schon seit längerem zur Standardausrüstung der Studierenden. Dort kommen die Clicker auch bei Prüfungen zum Einsatz. An der Universität Zürich werden sie sich nun in den kommenden Wochen bewähren müssen. «Falls die Clicker gut ankommen, könnten sie auch für andere Fakultäten attraktiv werden», sagt Stidwill.

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News

1 Leserkommentar

Pfisterer Christoph schrieb am Peinlich und traurig Peinlich, weil die Form der Interaktion das Niveau besserer Quizsensendungen nicht erreicht. Traurig, weil alle Beteiligten offenbar der Meinung sind, dass sich die Studierenden eigentlich nicht dafür interessieren, was die Dozierenden ihres Fachs zu sagen haben.

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