Neuroimmunologie

«Mein Interesse gilt der Multiplen Sklerose»

Im Rahmen des Forschungskredites ist die Assistenzärztin Bettina Schreiner am Universitätsspital Zürich den zellulären Vorgängen bei Entzündungen und Tumorerkrankungen im Zentralnervensystem auf der Spur. Unterstützt wird sie von der «Stiftung für Forschung an der Medizinischen Fakultät».

Lena Serck-Hanssen 

Assistenzärztin Bettina Schreiner (Bild: zVg)

«Mein grosses Interesse gilt der Erforschung der Multiplen Sklerose», erklärt Bettina Schreiner, Assistenzärztin an der Neurologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich.

Sie begründet auch gleich, woher dieses Interesse stammt: «Multiple Sklerose führt zu erheblichen Einschränkungen im Alltag. Es treten Defizite bei den sensorischen, motorischen, autonomen und kognitiven Funktionen auf. Betroffen von der Krankheit sind häufig junge Frauen in meinem Alter, also zwischen 20 und 40 Jahren. Wenn ich einen Mosaikstein beitragen kann, der zu besseren Therapiemethoden führt, wäre ich sehr zufrieden.»

Klinik und Forschung

Dieses Ziel verfolgt Bettina Schreiner denn auch zielstrebig. Bereits in ihrem zweijährigen Postdoc an der Northwestern University in Chicago war Multiple Sklerose der Schwerpunkt ihrer Forschungstätigkeit. In Zürich ermöglicht ihr das Stipendium der «Stiftung für Forschung an der Medizinischen Fakultät», sich während weiterer zwei Jahre dem Thema zu widmen.

Angesiedelt ist ihr Projekt in der Neuroimmunologie. Während Bettina Schreiner zur Hälfte in der Klinik unter Prof. Michael Weller (Neurologische Klinik) tätig ist, dienen die restlichen 50 Prozent ihrer Arbeitszeit der Forschungstätigkeit im Labor unter Prof. Burkhard Becher (Institut für Experimentelle Immunologie). «Die Kombination von Klinik- und Forschungstätigkeit ist ideal», findet Schreiner und fügt an, dass sie hier auch die notwendige Unterstützung erhält, um beides zu verfolgen. «Wenn möglich möchte ich auch in Zukunft sowohl klinisch wie forschend tätig sein.»

Unklare Zellaktivierung

Das menschliche Zentralnervensystem (ZNS) besteht aus Neuronen und Gliazellen. Neben den Neuronen bilden gliale Zellen wie Astrozyten die Mehrheit der Zellen im Gehirn und Rückenmark. Auf krankhafte Veränderungen im Gehirn und Rückenmark, wie sie durch Entzündungen oder Tumoren hervorgerufen werden, reagieren Astrozyten mit Aktivierung. Obwohl jede bekannte Erkrankung des ZNS mit einer Astrozytenaktivierung einhergeht, ist bislang unklar, welche Rolle diese im Krankheitsverlauf spielt, das heisst, ob sie eher krankheitsfördernd oder –hemmend wirkt.

Leuchtende Astrozyten

In einem ersten Schritt möchte Bettina Schreiner deshalb nachweisen, welche Moleküle Astrozyten in ihrer Reaktion auf eine Entzündung oder Tumorerkrankung bilden. Zu diesem Zweck arbeitet sie mit Astrozyten, die ein fluoreszierendes Protein (Green Fluorescent Protein, EGFP) enthalten. Im Zentralnervensystem von Mäusen wird eine Multiple Sklerose-ähnliche autoimmune Enzephalomyelitis oder ein Hirntumor erzeugt. Dann können die grün leuchtenden Astrozyten aus dem Hirngewebe isoliert und in Bezug auf das molekulare Profil analysiert werden.

Der Vergleich der Astrozyten aus gesundem und krankem Gewebe gibt wichtige Hinweise darauf, welche Moleküle im entsprechenden Krankheitszustand involviert sein könnten.

Ausschaltung der Astrozyten

Im zweiten Teil der Arbeit wird Bettina Schreiner versuchen, die Astrozyten gezielt auszuschalten. Dieser Schritt soll die entscheidende Frage klären, ob dadurch der Krankheitsverlauf verstärkt oder abgeschwächt wird, und welches Stadium der Erkrankung vor allem betroffen ist.

Dazu wird ein Modell verwendet, in dem Astrozyten Rezeptoren für den Diphterie-Giftstoff bilden. Wiederum wird eine autoimmune Enzephalomyelitis oder ein Hirntumor erzeugt und diesmal in unterschiedlichen Krankheitsstadien der Diphterie-Giftstoff injiziert. Dieser bindet an den entsprechenden Rezeptor und tötet die Astrozyten selektiv ab. So kann man untersuchen, wie das Ausschalten der Astrozyten den klinischen Krankheitsverlauf beeinflusst und welche Mechanismen dabei wesentlich sind.

Weiteres Projekt geplant

Als Folgeprojekt sieht Bettina Schreiner vor, noch mehr ins Detail zu gehen. Die im ersten Schritt identifizierten Markermoleküle möchte sie dann selektiv in Astrozyten ausschalten, um zu untersuchen, wie sich hierdurch der Krankheitsverlauf verändern lässt. Ist die Rolle der Astrozyten und ihrer wichtigsten Moleküle in Erkrankungen des Zentralnervensystems näher bekannt, eröffnet dies die Möglichkeit, gezielt nach neuen Therapiemethoden zu suchen. Vor Bettina Schreiner liegt also noch eine Menge Arbeit. Der Traum von verbesserten Möglichkeiten der Therapie ist ihr Ansporn dafür.

Lena Serck-Hanssen ist ehemalige Mitarbeiterin in der Stabsstelle des Prorektorats Medizin und Naturwissenschaften.

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