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Maturaarbeiten zum Thema Aisen ausgezeichnet

Animiert und engagiert

Der Forschungsschwerpunkt «Asien und Europa» hat zum zweiten Mal Maturarbeiten ausgezeichnet, die sich dem Thema Asien widmen. Die Preisträger beschäftigten sich mit Minaretten, Kreuzzügen und japanischen Anime.
Adrian Ritter

Sorgen in der Schweiz für eine polarisierte Diskussion: Minarette, im Bild eine Moschee in Baku, Aserbaidschan.

Der erste Preis geht an Anna Diem von der Alten Kantonsschule Aarau für ihre Arbeit «Schweizer Minarettstreit – Akteure und Argumente». Das Thema ist nicht zuletzt aufgrund einer Volksinitiative aktuell, welche den Bau von Minaretten in der Schweiz verbieten will. Diem verfolgte die Diskussionen in Internetforen, führte Interviews und zeichnete in ihrer Arbeit die Akteure, deren Argumente und Hintergründe auf.

Sie stellt fest, dass der Bau von Minaretten für die Schweizer Muslime selber ein marginales Anliegen ist. Viel wichtiger wäre ihnen der Bau von zentraler gelegenen, grösseren Moscheen – auch ohne Minarett. Dass es sich bei den Minaretten um ein «Scheinproblem» handelt, bestätigen gemäss Diem auch Aussagen der Initianten der Volksinitiative, die in erster Linie beabsichtigen, den Islam in der Schweiz zum Thema zu machen.

Dies gelinge ihnen gut, allerdings sei das Resultat eine polarisierte Diskussion, bei der das politische Feld der SVP und der EDU überlassen werde. «Eine viel differenziertere Diskussion wäre wichtig», so das Fazit der Kantonsschülerin. Das Auswahlgremium zeigte sich von der sachlichen Darstellung der Maturarbeit überzeugt. Bei einem aktuellen politischen Thema stelle dies eine besondere Herausforderung dar.

Cleophea Michelsen von der Freien Kantonsschule Zürich untersuchte den Zusammenhang zwischen Djihad und Kreuzzug. 

Expansionen und ihre Gründe

Mit dem zweiten Preis wurde Cleophea Michelsen vom Freien Gymnasium Zürich ausgezeichnet. In ihrer historisch orientierten Arbeit «Vom Djihad zum Kreuzzug» untersuchte sie die so genannte «Vergeltungsthese». Diese besagt, dass die christlichen Kreuzzüge im 11. Jahrhundert eine direkte Antwort auf die zuvor erfolgte Expansion des Islam seien.

Michelsen kommt aufgrund der konsultierten Literatur zum Schluss, dass die These verworfen werden muss. Die islamische Expansion habe sich nicht primär gegen die Christen gerichtet und zum Zeitpunkt der Kreuzzüge habe das islamische Reich auch keine Gefahr dargestellt für Europa.

So spielten gemäss Michelsen bei den Kreuzzügen eher wirtschaftliche Motive mit, da Europa überbevölkert war, mit Armut zu kämpfen hatte und daher an einer Expansion interessiert war. Michelsen wurde gelobt, das komplexe Thema mit «analytischem Tiefblick und bestechender Übersicht» angegangen zu sein.

Anime setzen spezifische Stilmittel ein, zum Beispiel den «super deformed»-Modus, um extreme Gefühle auszudrücken.

Tiefschürfende Anime

Noch weiter nach Osten und weg von der Realität auf die Fiktion richtete Christian Kihm als dritter Preisträger seinen Blick. Seine Arbeit an der Kantonsschule im Lee Winterthur widmet sich der japanischen Anime-TV-Serie «Neon Genesis Evangelion». Diese gilt vielen als Meisterwerk des Genres. Die Geschichte handelt von einem 14-jährigen Jungen, der gegen Ausserirdische kämpft, welche die Menschheit zerstören wollen.

Christian Kihm von der Kantonsschule im Lee Winterthur interessierte sich für die tiefgründigen Aspekte von Anime-Charakteren.

Kihm interessiert sich in seiner Arbeit vor allem für die «tiefgründigen, lebendigen Charaktere», wie er an der Präsentation sagte. Die Anime-Serie enthalte zahlreiche Aspekte aus Psychologie, Philosophie sowie Stilmittel aus der religiösen Symbolik von Christentum und Judentum.

Als Beispiel erwähnte er das im Film enthaltene «Stachelschwein-Dilemma», welches sich auf eine Parabel von Arthur Schopenhauer bezieht und eines der Hauptthemen der Serie veranschaulicht – die Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen. Seine Arbeit wurde vom Auswahlgremium entsprechend gelobt, auch in die tieferen psychologischen Strukturen des Films einzudringen.