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Weshalb sich Flaubert irrte

Wer hat Recht – die Amerikaner, für die Glück ein Menschenrecht ist, oder die Franzosen, die es mit Dummheit gleichsetzen? Der amerikanische Psychologe Ed Diener betreibt seit einem Vierteljahrhundert Glücksforschung. Was er dabei herausgefunden hat, präsentierte er am Freitag in einem rasanten Referat in der Aula der Universität.
Thomas Gull

Was hat es mit dem subjektiven Wohlbefinden auf sich – weshalb sind wir glücklich oder eben nicht und wir wirkt sich dies auf unser Leben aus? Dieser Frage hat der amerikanische Psychologe Ed Diener sein wissenschaftliches Leben gewidmet – mit wachsendem Erfolg. Als er 1981 mit der Glücksforschung begann, interessierte sich selbst in Amerika kaum jemand dafür, dem Land, das den «pursuit of happiness» neben dem Leben und der Freiheit als unveräusserliche Rechte der Menschen in der Unabhängigkeitserklärung festgeschrieben hat. Das hat sich gründlich geändert. Mittlerweile erhält der Psychologieprofessor an der Universität von Illinois täglich Anrufe von Journalisten, die sich für seine Forschung interessieren, und er wird rund um den Globus als Gastredner eingeladen. Als solcher präsentierte er am Freitag auf Einladung von Professorin Alexandra Freund und Professor Willibald Ruch unter dem Titel «Flaubert’s Error» einen Überblick über die «New Science of Happiness».

Ein glücklicher Mann: der amerikanische Glücksforscher Ed Diener (links) mit Prof. Willibald Ruch vom Psychologischen Institut.

Dumm und glücklich?

Für den Amerikaner Diener ist klar: man muss nicht dumm sein, um glücklich zu sein, wie der französische Schriftsteller Gustave Flaubert glaubte. Ed Diener ist dafür der lebendige Beweis, er ist, wie er bekennt, ein glücklicher Mensch. Wen wundert’s – Diener ist seit 1966 mit seiner High School-Liebe Carol verheiratet, hat fünf Kinder und ist ein erfolgreicher Wissenschaftler. Damit vereinigt er in seiner Person die wichtigsten Voraussetzungen, die es braucht, um glücklich zu sein. Ed Dieners «Glücksrezept» lautet:

1. Um glücklich zu sein, muss man Menschen um sich haben, die man liebt, und die einen lieben.

2. Um glücklich zu sein, muss man Werte haben und sich Ziele setzen.

3. Um glücklich zu sein, muss man die Anstrengungen auf dem Weg zum Ziel geniessen.

4. Um glücklich zu sein, muss man eine positive Lebenseinstellung entwickeln.

Wer glücklich und zufrieden ist, dem fällt vieles leichter – er oder sie wird einfacher einen Partner finden, beruflich erfolgreicher sein, mehr verdienen und länger leben – being happy erhöht die Lebenserwartung gemäss Diener um satte 9.4 Jahre, während sie durch Rauchen um drei und exzessives Trinken um sieben Jahre verringert wird.

Vererbtes Glück

Unsere Fähigkeit, glücklich und zufrieden zu sein, ist zum einen genetisch bedingt. Diener geht davon aus, dass 30 bis 50 Prozent unserer Glücksfähigkeit erblich sind, der Rest ist beeinflussbar, durch persönliches Verhalten und äussere Umstände – so sind beispielsweise Menschen, die vorübergehend arbeitslos werden, später nicht mehr gleich glücklich, selbst wenn sie wieder eine Anstellung finden, die auch vergleichbar bezahlt ist. Wer heiratet, kann nachher glücklicher sein, aber unter Umständen auch unglücklicher. Zumindest vorübergehend macht Heiraten aber glücklicher, im Durchschnitt ist man jedoch einige Jahre nach der Heirat so glücklich wie zuvor.

Diener verbindet mit seiner Glücksforschung auch weitergehende Ambitionen als wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, was Menschen glücklich oder unglücklich macht. Seiner Meinung nach müsste diese Forschung auch in politische Entscheidungen einfliessen. Zumindest Anzeichen dafür, dass die Glücksforschung ernster genommen wird als bisher, gibt es. Wer das Vergnügen hatte, Diener zuzuhören dürfte überzeugt sein, dass der Glücksforschung die Zukunft gehört – so oder so.